"Kinder: Rettet euren Arsch" oder

"Falsche Anlage! Falscher Standort!"

 

Nachdem die kirchlichen Vertreter vor Ort eine Positionierung in Sachen „Agromethangasanlage“ tunlichst vermieden haben, geschweige denn ihr Veto gegen diese Anlage eingelegt haben, ist es uns nun gelungen ein Interview mit Herrn Pfarrer Wolf-Peter Feucht zu führen.

Progoellheim sprach mit Herrn Pfarrer Feucht (Göllheim, evangelische Kirche) über die projektierte Agromethangasanlage Göllheim.

 

 

Progoellheim: Wann und wie haben Sie das erste Mal von den Plänen des Bau's einer „Bio“gasanlage am Standort Göllheim erfahren?

 

Pfarrer Feucht: Gute Frage (überlegt), im vergangenen Frühjahr 2011 erfuhr ich durch die Rheinpfalz Donnersberger Rundschau” von diesem Bauvorhaben.

 

Progoellheim: Wie und wo haben Sie sich über die geplante Agromethangasanlage informiert? Fühlen Sie sich seitens der Gemeinde und der offiziellen lokalen Medien objektiv und hinreichend informiert?

 

Pfarrer Feucht: Ich fühle mich für den Normalverbraucher ausreichend informiert, aber das liegt auch daran, dass ich zusätzlich überregionale Zeitungen, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) die lese.

Zu ihrer zweiten Frage nur so viel:  

Eine Zeitung ist niemals objektiv – sie geben letzten Endes die Sicht der Journalisten und Personen im Hintergrund wieder.

Was Informationen von Göllheim betrifft, so ist Göllheim eine Sache für sich – hier werden sie nie objektive Informationen erhalten – vergessen Sie es!

 

Progoellheim: Haben Sie mit Herrn Rummer oder auch im Presbyterium über das geplante Vorhaben gesprochen? Gerade die "Tank -Teller -Trog Frage" sollte doch auch ein Thema, für die kirchlichen Vertreter vor Ort sein.

 

Pfarrer Feucht: Zwischen Herrn Rummer und mir war die Agromethangasanlage nie ein Thema – hierüber wurde nie ein einziges Wort verloren. Inwiefern diesesThema zwischen Herrn Rummer und dem Presbyterium thematisiert wurde kann ich nicht sagen.

 

Progoellheim: Warum schwiegen die kirchlichen Vertreter Göllheims bislang zu einem ethisch-moralisch so brisanten Thema? Wo bleibt an dieser Stelle die Verantwortung der Kirche?

 

Pfarrer Feucht: Sie fragen den Falschen!

Unsere Kirche vor Ort hat existentielle Probleme, es liegt nicht an Positionierungsschwäche, wohl eher an der Arbeitsbelastung und an Gesundheitsproblemen und so hart es klingen mag, die eigenen Probleme gehen an dieser Stelle vor.

Verantwortung und Tat werden Sie zu dieser Thematik nicht erwarten können.

Ich möchte diese ethisch-moralische Problematik nicht abtun, aber meine Kraft ist auch begrenzt. Ich bin nun mal kein „Oktupus mit acht Armen“,und gönne mir den „Luxus“ von vier bis sechs Stunden Schlaf pro Tag.

 

Progoellheim: Es liegen doch von der EKD Deutschlands als auch von Katholischer Seite eindeutige Stellungnahmen bezüglich Energiepflanzenanbau und Flächenkonkurrenz vor (EKD Texte 95 – Ernährungssicherung vor Energieerzeugung - Kriterien für die nachhaltige Nutzung von Biomasse und EKD Texte 67 Ernährungssicherung und nachhaltige Entwicklung und EKD Texte 114 – Leitlinien für eine multifunktionale und nachhaltige Landwirtschaft ; kath. Kirche: Arbeitshilfen Nr 245: Der Schöpfung verpflichtet – Anregungen für einen nachhaltigen Umgang mit Energie)

Auf diese Texte kann man sich doch berufen - wo bleibt denn bitteschön die Verantwortung der “Kirche” Göllheims zu so einer ethisch-moralisch weittragenden Entscheidung?

 

Pfarrer Feucht: Keine Diskussion und ganz klar: Die Kirche vor Ort windet und drückt sich vor ihrer Aufgabe sich in dieser Angelegenheit zu positionieren, sie ist inkonsequent und zeigt Desinteresse!

Sie haben Recht, die fehlende Stellungnahme der Kirche zu einem solchen Thema ist ein Defizit!

Hier mangelt es am Engagement der Kirche sich in ein solches Wespennest zu setzen. Es wird onhe Zweifel zu einem ethischen Problem kommen! 

 

 

Progoellheim: Warum erfolgt keine Positionierung – wird politischer Druck ausgeübt? Haben Sie keine Angst vor Kirchenaustritten, wenn eine Stellungnahme der “Kirche" vor Ort” ausbleibt?

 

Pfarrer Feucht: Nein, die Politik hat auf die Kirche kein Druckmittel!  

Wenn man sich allerdings positionieren würde, dann würde man in ein „Wespennest“ stechen!

Egal wie man sich positionieren würde, man würde immer irgend jemand enttäuschen - diese Befürchtung muss man immer haben.

 

Progoellheim: Wie sieht ihre ganz persönliche Meinung zu diesem Bauprojekt aus?

 

Pfarrer Feucht: Falsche Anlage! Falscher Standort!

Feucht ergänzt: In einer Region, wo Viehwirtschaft vorherrschen würde, sprich ausreichend sekundäre Biomasse (Gülle) anfallen würde, wäre eine solche Anlage durchaus sinnvoll!

Durch die Umwidmung der Ackerflächen wird es ganz klar zu einem ethischen Problem!

 

Progoellheim: Die Ablehnung gegenüber dieser Anlage ist groß, doch viele Bürgerinnen und Bürger trauen sich nicht Ihre Meinung öffentlich kund zu tun, geschweige denn Einwände schriftlich gegen diese Anlage vorzubringen.  

Konnten Sie dahingehend Erfahrungen sammeln?

 

Pfarrer Feucht: Nein, überhaupt nicht! In Sachen Agromethangasanlage kam überhaupt niemand auf mich zu…das liegt natürlich auch zu einem guten Teil am 'Phlegma' durch unsere Wohlstandsgesellschaft.

 

(Anmerkung Progoellheims: Das liegt auch an der fehlenden Positionierung und Sensibilisierung des Themas von Seiten der Kirche.)

 

Progoellheim:

Was meinen Sie worin ist die „Angst“ mancher Bürger begründet? Möchten Sie diesen Menschen irgend eine Botschaft von kirchlicher Seite mit auf den Weg geben. Zum eigenen Glauben zu stehen und die eigene Meinung zu vertreten, war und ist doch gerade für Christen ein Thema...

 

Pfarrer Feucht: Für eine lebendige Demokratie ist es wichtig, allen Anfeindungen zum Trotz den Mund aufzumachen und seine Meinung und seine Standpunkte zu vertreten. Paulus ist an dieser Stelle einer von dem wir lernen können. Er hat immer wieder den Mund aufgemacht und saß dafür sogar im Gefängnis – das ist ein Beitrag für eine aktive Demokratie.

 

Progoellheim:...und was sollen die Bürgerinnen und Bürger nach ihrer Meinung tun?!

 

Pfarrer Feucht: Kinder: Rettet euren Arsch! …nein, bitte nicht schreiben… zum Thema Angst vielleicht: Angst frisst Seelen auf!

 

Progoellheim: Was kann der Bürger tun, damit sich der Gemeinderat Göllheim endlich mit den Negativauswirkungen, welche wissenschaftlich belegbar sind, auseinandersetzt.

 

Pfarrer Feucht: Die Positionen sind verhärtet – es geht um Macht der Bürger wird in einer Machtprobe niemals gewinnen. Macht war immer bestimmender als Einsicht!

 

Progoellheim: Sollte die Kirche nun nicht endlich Partei ergreifen und diesem „Tanz um das goldene Kalb“ `Bio´gasanlage öffentlich entgegentreten? (beispielsweise in einer Predigt zur Welthungerproblematik, einen speziellen Hungermarsch organisieren oder bei einer Sammelaktion “Brot für die Welt” auf diese Problematik verweisen)

 

Pfarrer Feucht: Interessante Frage (schmunzelt) – soll ich meine letzten zwei Zuhörer verprellen?!

..Ich werde an diese Kirchengemeine keine Forderungen stellen!

Jeder muss diese Frage mit seinem Gewissen ausmachen und für sich selbst klären.

 

Progoellheim: Wie stehen Sie zu Progoellheim?

 

Pfarrer Feucht: Ich achte Menschen, die zu ihrer Meinung stehen. Ich achte Menschen, welche den Mut aufbringen ihre Meinung zu vertreten, Stellung beziehen, ohne auf Auswirkungen zu schauen!

An dieser Stelle fällt mir Dietrich Bonhoeffer ein, der hat das gemacht und hat es fertiggebracht sich selbst am Ende noch zu kritisieren, viel zu spät mit seinem Widerstand begonnen zu haben!

 

Progoellheim: Wollen Sie nicht wenigstens als Privatperson einen Einspruch gegen diese Anlage einlegen und zumindest ein wenig die Fahnen der Kirche hochhalten?

 

Pfarrer Feucht: Geben sie mal her... (nimmt sich das Blatt Papier)…und füllt einen Widerspruchsbogen aus…

 

Progoellheim: Wir danken Ihnen für das Gespräch.

 

 

 

Interview geführt von Daniel Koch und Wolfgang Waltgenbach, Progoellheim