"Energiegewinnung aus Energiepflanzen die ineffizienteste Form, die man sich denken kann!"

                                       

Professor Dr.-Ing Schanzenbach, einstiges Mitglied des Göllheimer Gemeinderats der aktuellen Legislaturperiode. Als „Nachrücker“ bekleidete er jedoch nur für sehr kurze Zeit dieses Amt, bevor er sein Mandat niederlegte.

Progoellheim spach mit Ihm über seine Beweggründe für den Rücktritt und über die derzeitige Lage rund um die projektierte NawaRo-Agromethangasanlage Göllheim:

 

Progoellheim: Herr Prof. Dr. Schanzenbach, viele Bürger sind immer noch verwundert darüber, wenn Sie erfahren, dass Sie nicht mehr dem Göllheimer Gemeinderat angehören.

Wer nicht auf unserer Webseite war oder das Amtsblatt aufmerksam studierte, weiß bis heute nichts von Ihrem Rücktritt geschweige denn der Gründe.  

Was waren die Gründe für ihren Rücktritt?

 

Prof. Dr. Schanzenbach:

Meine Intention, für den Gemeinderat zu kandidieren und schließlich als Nachrücker für den ausgeschiedenen Dr. Wucherer ein Mandat anzunehmen, war, im Gemeinderat konstruktive Arbeit zum Wohle der Göllheimer Bürgerinnen und Bürger zu leisten.

Nachdem ich in mehreren Sitzungen feststellen musste, dass dies mit diesem Gemeinderat nicht mehr möglich sein würde, war es eine unauswichliche Konsequenz.

 

Progoellheim: War es aus Ihrer heutigen Sicht sinnvoll den Gemeinderat Göllheim zu verlassen, oder haben Sie es im Nachhinein bereut so gehandelt zu haben?


Prof. Dr. Schanzenbach:

Bereut habe ich es nicht. Ganz im Gegenteil. Die Teilnahme als Zuhörer an den letzten Sitzungen mit dem Thema "Bio"gasanlage hat mich in meiner Entscheidung bestätigt. Wie hier mit den berechtigten Anliegen der Bürgerinnen und Bürger umgegangen wird, hätte ich nicht mittragen können. Anstatt sich in Debatten mit den Argumenten auseinander zu setzen, wurden am Fließband von der Verwaltung vorformulierte Stellungnahmen abgenickt, eine Farce, die meines Erachtens eines Gemeindeparlamentes unwürdig ist.

 

Progoellheim: Wie beurteilen Sie die Berichterstattung der offiziellen Medien (Rheinpfalz) gerade im vergangen Jahr bezüglich dieses umstrittenen Bauprojektes.

 

Prof. Dr. Schanzenbach:

Die Rheinpfalz rühmt sich ja gerne ihrer großen Beliebtheit und Verbreitung in der Region. Als Quasi-Monopolist in Sachen Printmedien sollte sie sich aber auch ihrer besonderen Verantwortung für eine ausgewogene Berichterstattung bewusst sein. Gerade diesbezüglich gab es meines Erachtens deutliche Defizite, weniger bei der Lokalredaktion Grünstadt als vielmehr bei der Lokalredaktion Kirchheimbolanden.

 

Progoellheim:  

Im letzten Jahr erhielten wir von ihnen eine interessante Berechnung zum Wirkungsgrad der von der Firma Juwi projektierten Agromethangasanlage (Wirkungsgrad von 0,5% gegenüber einem Solarmodul mit 25 %). Halten Sie diese Berechnung immer noch aufrecht. Hat diese Rechnung bis dato irgendjemand beanstandet?

 

Prof. Dr. Schanzenbach:

Beanstandungen an dieser Berechnung gab es nicht und sie ist auch nicht zu widerlegen. Auf den noch nicht berücksichtigten Energieaufwand für den Transport von Dünger, Substrat und Gärresten hatte ich ja seinerzeit schon hingewiesen. Aus heutiger Sicht ist gerade dieser Transportaufwand noch viel kritischer zu beurteilen, da das Einzugsgebiet inzwischen von 5 km auf 15 km Radius ausgedehnt werden musste. Unterm Strich bleibt die Energiegewinnung aus Energiepflanzen die ineffizienteste, die man sich denken kann!

 

Progoellheim:  

Wie beurteilen Sie aus Ihrer heutigen Sicht als Göllheimer Privatbürger und ehemaliges Gemeinderatsmitglied das  

Verfahren um die NawaRo-"Bio“gasanlage Göllheim bis hin zur jetzigen Bebauungsplanänderung.

 

Prof. Dr. Schanzenbach:

Mir ist noch immer unverständlich, warum ein solches Projekt an diesem Standort realisiert werden soll. Die Vorteile für Göllheim hat mir bislang noch niemand stichhaltig darlegen können. 

Alle ernst zu nehmenden fachlichen Publikationen 

bescheinigen dieser Art von Anlagen neben der miserablen Effizienz ein hohes Umweltgefährdungspotential.  

Selbst auf höchster politischer Ebene hat daher inzwischen ein Umdenken eingesetzt. Aber diese Mühlen mahlen einfach zu langsam, gebremst auch durch gezielte Lobbyarbeit. So werden nach wie vor viele Millionen Euro an Subventionen in eine Technologie gesteckt, die längst durch bessere Alternativen ersetzt werden kann.

 

Progoellheim:  

Die Ablehnung gegenüber dieser Anlage ist groß, doch viele Bürgerinnen und Bürger trauen sich nicht Ihre Meinung zu sagen – durften Sie dahin gehende Erfahrungen sammeln?   

Was meinen Sie worin ist diese „große Angst“ mancher Bürgerinnen und Bürger, z.B. Geschäftsleuten, begründet?  

 

Prof. Dr. Schanzenbach:

Da existieren einfach Abhängigkeiten, von denen sich mancher schwer lösen kann. Wer setzt schon gern seinen Arbeitsplatz oder auch nur das gute Betriebs- oder Vereinsklima aufs Spiel? Die gute Vernetzung innerhalb unserer Gemeinde, die anderweitig sicher sehr positiv zu beurteilen ist, erweist sich in dieser Beziehung wohl eher als Hemmnis und um des lieben Friedens willen halten sich viele mit ihrer Meinung zurück.

 

Dass Geschäftsleute sich schnell verunsichern lassen, würde ich eher bezweifeln. Schließlich sind sie durch die harte Schule des Marktwettbewerbs einiges gewöhnt.

Ich selbst habe auch solch einen "Drohanruf" erhalten. Der galt aber weniger mir persönlich, da ich in Bezug auf Auftragsverluste nichts zu befürchten habe. Vielmehr wurde ich direkt auf die Firma angesprochen, deren Geschäftsführerin meine Frau ist. Wenn man für viele Arbeitsplätze am Ort Verantwortung trägt, gibt einem das schon zu denken.

 

Progoellheim: Viele Bürger sind verunsichert, trauen sich zum Teil nicht öffentlich zu sagen, dass Sie die Anlage nicht wollen, gibt es Vorwürfe, die sich die Ablehner machen müssen?


Prof. Dr. Schanzenbach:

Zur Verunsicherung der Bürger habe ich mich bereits geäußert.  

Die Ablehner der Agromethangasanlage haben sich hier meines Erachtens nichts vorzuwerfen. Soweit ich das beurteilen kann, haben sie stets sachlich fundiert ihre Argumente dargelegt, bisweilen auch mit Leidenschaft, aber stets ohne persönlich zu diskriminieren oder gar Druck auszuüben.

 

Progoellheim: Wie beurteilen Sie die Lage bei den Landwirten? Unbestätigten Berichten zur Folge sind bereits Landwirte vertraglich bei Juwi ausgestiegen, da sie zwar im vergangen Jahr ihre vereinbarten Maispreise von Juwi bekamen, jedoch nicht an die Gewinnen von Juwi bei der Maisvermarktung (Welthandelspreis für Mais lag wesentlich höher) berücksichtigt wurden. Zum anderen wurde uns zugetragen, dass es bereits die ersten „Pachtpreisauseinandersetzungen“ zwischen Groß- und Kleinbauern abgespielt haben – wissen Sie hierüber etwas?

 

Prof. Dr. Schanzenbach:

Wie sie sagen, handelt es sich um unbestätigte Berichte, die auch ich nur vom Hörensagen kenne. Fest steht allerdings, dass Pachtpreise steigen werden, wie die Erfahrungen aus anderen Regionen zeigen. Das trifft natürlich vor allem die kleineren Landwirtschaftsbetriebe, die wenig eigenes Land bewirtschaften und die Biobauern, die ohnehin mit geringeren Gewinnmargen zu kämpfen haben.

 

Progoellheim: Herr Schanzenbach, Sie sind zwar kein Gemeinderatsmitglied mehr, Sie sind aber noch als Presbyter in der evangelischen Kirche in Göllheim. Wurde in diesem Rahmen das Thema der Agromethangasanlage - offiziell oder inoffiziell - angesprochen, v.a. das ethische Problem?

 

Prof. Dr. Schanzenbach:

Offiziell ist im Presbyterium das Thema Agromethangasanlage noch nicht diskutiert worden, aber was nicht ist kann ja noch werden.

Persönlich habe ich aber mit vielen Mitpresbyterinnen und Mitpresbytern Gespräche geführt, gerade auch in Bezug auf die ethische Frage. Für mich als Christ ist sie neben der Ineffizienz das absolute KO-Kriterium für diese Art von Anlagen...  

 

...hier werden ca. 1000 Hektar bestes Ackerland für Energieproduktion vergeudet...  

 

Würde man statt dessen Nahrungsmittel darauf produzieren, könnte man davon ca. 15.000 Menschen satt machen. Während täglich 6000 Kinder weltweit verhungern, leisten wir uns den Luxus, mit der begrenzten Ressource Ackerland unseren Energiehunger zu stillen.

 

Wenn man sich als Antwort auf diese Argumente dann anhören muss, die Biogasanlage Göllheim sei viel zu klein um nennenswert zum Welthungerproblem beizutragen, dann ist das einfach nur zynisch. 

 

Progoellheim:  

Worin sehen Sie die Ursachen, dass sich ein Gemeinderat Göllheim nicht mit den Anliegen der Einwohner auseinandersetzt? Sehen Sie noch Hoffnung, dass sich dies ändert?

 

Prof. Dr. Schanzenbach:

Dass sich der Gemeinderat nicht mit den Anliegen der Einwohner auseinandersetzt, kann man so nicht behaupten. Schließlich werden in Mammutsitzungen hunderte von Einsprüchen "behandelt".

Es ist vielmehr die Art der Auseinandersetzung die hier zu kritisieren ist. Aber dazu habe ich ja bereits meine Meinung gesagt.

Über die Ursachen dieses Verhaltens kann ich nur spekulieren und das überlasse ich lieber den Spekulanten, wenn sie verstehen was ich meine.

Offen gesagt habe ich wenig Hoffnung, unsere Gemeinderäte noch von der Unsinnigkeit dieses Vorhabens zu überzeugen. Dazu haben sie sich schon zu weit aus dem Fenster gelehnt.

 

Progoellheim: Was meinen Sie worin liegen die Chancen und Möglichkeiten diese Agromethangasanlage am Standort Göllheim doch noch zu verhindern?

 

Prof. Dr. Schanzenbach:

Die größte Chance bestünde, wenn noch rechtzeitig die Subventionen gekürzt würden, denn nur die machen die Anlage profitabel.

Und schließlich ist, wie sie wissen, noch immer eine Normenkontrollklage anhängig.

 

Progoellheim: Wir danken Ihnen für das Gespräch.

 

 

 

Interview geführt von D. Koch und W. Waltgenbach, Progoellheim