„Schlimmer als der Fluglärm“

Hütschenhausen: Zurzeit rollen viele Traktoren durch die Ortsdurchfahrt zur Biogasanlage (*) – Ortsbürgermeister sieht „keine Handhabe“  

 

16 Traktoren in einer Stunde hat Waltraud Ohliger gezählt. Von morgens 8 bis gegen 19 Uhr rollten seit dieser Woche große Traktoren mit Hänger durch Spesbach und Hütschenhausen.

Ziel ist die Biogasanlage Juwi in Ramstein.  

„Der Lärm ist schlimmer als der Fluglärm“, klagt die Spesbacherin im Gespräch mit der RHEINPFALZ ihr Leid, zumal die Traktoren ja auch wieder zurückkommen. Hintergrund ist die angelaufene Ernte und die Anlieferung der Silage als Futter für die Ramsteiner Biogasanlage. Ein Streitpunkt der auch bereits im vergangenen Jahr die Gemüter erhitzt hatte.

„Alle Erntefahrzeuge die aus westlicher Richtung kommen, rollen bei uns durch“, bestätigt denn auch der Ortsbürgermeister von Hütschenhausen, Hajo Becker (SPD), ein „enormes Verkehrsaufkommen“ im Ort. „Wenn sich zwei der großen Gefährte begegnen, wir des richtig eng.“ Eine Beobachtung, die zur Lärmbelästigung hinzukommt. Doch auch in diesem Jahr sieht Becker keine Handhabe, um die Anwohner zu schützen  

„Es spielt sich alles im Rahmen der Gesetze ab. Die Traktoren dürfen die Straßen nutzen.“

 

Im vergangenen Jahr war noch die Rede von einer Ortsumfahrung über Feldwege. Keine Chance, sagt Becker dazu. Die Möglichkeit bestehe ohnehin nur bei Erntetransporten aus östlicher Richtung. Nur von dort kommt in diesem Jahr sogut wie nichts. Den Grund sieht Becker in der inzwischen erweiterten Biogasanlage in Lambsborn, die das entsprechende Erntegut aus dieser Richtung aufnimmt.  

Ramstein wird somit weitgehend mit Silage aus westlich gelegenen Ackerfeldern beliefert. Und zwar mitten durch die Orte Hütschenhausen und Spesbach.

 

„Es ist so schlimm, dass ich tagsüber das Haus verlasse und mich auf der Sickinger Höhe aufhalte“, klagt Waltraud Ohliger und fügt an, dass „andere bereits ihr Haus verkauft haben“, weil sie sich diesem Lärm einfach nicht mehr aussetzen wollten und konnten.

 

Auf ihren Anruf im Ordnungsamt der Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach hin, wurden ihr Verkehrskontrollen versprochen.  

Nur was die bringen sollen, ist ihrnicht ganz klar.  

„Die Firma ,Ernte Plus’ hat zugesichert, dass die TraktorenInnerorts nur Tempo 40 fahren“, sagt Becker zu dem Thema.  

Ob 50 oder 40 Kilometer pro Stunde – am Dauerlärm und an der bedrohlichen Enge tut sich da nicht viel, sagt Ohliger, die allerdings davon überzeugt ist, „dass viele derFahrer sich nicht an das Limit halten“, sondern schneller in den Ort hineinrauschen.


Etwas resignierend sagt sie am Ende des Gespräches nur:
 

„Ich hoffe, dass der Spuk in 14 Tagen wieder vorbei ist.“ (**) (thea)
 

Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Westricher Rundschau
Ausgabe: Nr.160
Datum: Samstag, den 13. Juli 2013
Seite: Nr.17
"Deep-Link"-Referenznummer: '91_12629993'
Präsentiert durch DIE RHEINPFALZ Web:digiPaper

 

 

Ergänzungen Progoellheims:
* "Biogas" hat nichts mit "Bio" zu tun, wie Sie es als Qualitätssiegel z.B. bei  

Lebensmitteln kennen vgl. Homepage des bundesweiten Initiativenverbundes

 **unberücksichtigt bleibt an dieser Stelle der Abtransport der Gärreste