„Ohne Speicher geht es nicht“

Donnersberger Energiewende (2): Die ERP plant für Kirchheimbolanden ein Pilotprojekt, bei dem eine autarke und wirtschaftliche Stromversorgung der Stadt das Ziel sein könnte. Eine zentrale Rolle spielt dabei neben intelligenter Netzsteuerung das Erdgasnetz als Energiespeicher. Ein Baubeginn ist für 2014 anvisiert.

Von Thomas Behnke

 

Vier Säulen hat das Konzept der Energiewende. Um das Erzeugen regenerativer Energien geht es, um Netzausbau, Stromspeicherung und mehr Effizienz. Ihnen allen will die ERP mit einem Pilotprojekt gerecht werden, für das sich das Unternehmen Kirchheimbolanden als Modellstadt ausgesucht hat, geleitet von der Frage „Wie kann sich eine Stadt wie Kibo autark und wirtschaftlich mit Stromversorgen?“, erklärt ERP-Geschäftsführer Peter Missal.

„Ohne Speicher geht es nicht“, streicht Missal dafür die zentrale Rolle grundlastfähiger Techniken heraus, die benötigt werden, um regenerative Stromversorgung vor Ort sicherstellen zu können, auch dann, wenn kein Wind weht und die Sonne nicht scheint. Und wenn viel Wind weht und die Sonne strahlt, gehe es ebenso darum, Überschussstrom sinnvoll zu nutzen. Die ERP greife dabei auf eine Technologie zurück – und erweitert sie –, die sie mit zwölf Projektpartnern aus der Thüga-Gruppe in Frankfurt umsetzen will, so Missal im RHEINPFALZ-Gespräch.  

Dabei gehe es um eine Strom-zu-Gas-zu-Strom-Technik: Regenerativ erzeugter überschüssiger Strom * werde dabei eingesetzt, um per Elektrolyse aus Wasser Wasserstoff als speicherbaren Energieträger zu gewinnen.

Beim Kirchheimbolander Pilotprojekt wolle man jedoch noch weiter gehen. Da Wasserstoff nur in geringen Mengen – maximal zwei Volumenprozent – dem Gasnetz zugeführt werden kann, soll das Gas über eine Reaktion mit Kohlendioxid in Methan umgewandelt werden, das von seinen Eigenschaften her problemlos in größeren Mengen dem Erdgas beigemischt werden kann. **  

Die Elektrolyse- und Methanisierungsanlage soll vor den Toren der Stadt an der ehemaligen B 40 entstehen, wo die ERP bereits ihr Umspannwerk betreibt. Für die Rückverstromung könnten vorhandene Blockheizkraftwerke genutzt werden, wie das im Kreishaus. Weitere Mini-BHKWs sollen eingebunden werden, die in privaten oder öffentlichen Gebäuden stehen könnten.  

Hier setzt ein weiterer wesentlicher Schritt des Projektes an. „Energienetze“,sagt Missal, „müssen intelligenter werden.“  

Dazu bedarf es ausgefeilter Mess- und Regelungstechnik, um das Verbrauchsverhalten in der Stadt zu ermitteln und Regelungsmechanismen für die Steuerung des Mittelspannungsnetzes zu entwickeln. Bisher, so der ERP-Geschäftsführer, sei das Einspeisen von positiver Regelenergie, um das Netz stabil zu halten, nur ins übergeordnete Hochspannungsnetz möglich. Das Speichern von überschüssigem Strom im regionalen Gasnetz und die Rückverstromung bei Strommangel hätte dabei den großen Vorteil, dass weniger in überregionale Transportnetze investiert werden müsste.  

Intelligente Steuerung ist dafür aber auf dieser Spannungsebene unabdingbar.  

In dieser Absicht will die ERP an das anknüpfen, was sich in der Region schon entwickelt hat und weiterhin geplant ist. Bislang stünden im Mittelspannungsnetz in der Spitze 5,6 Megawatt (MW) Leistung von drei Windkraftanlagen auf dem Schneebergerhof zur Verfügung, die in das Kirchheimbolander Netz einspeisen. Rund 140 Fotovoltaikanlagen steuerten über das Niederspannungsnetz in der Stadt drei MW Leistung in der Spitze bei, für weitere sechs MW stehe die Fotovoltaik-Freiflächenanlage beim Morschheimer Bahnhof. Hinzu kämen 13 auf je drei Megawatt ausgelegte Windräder, die im Windpark Hungerberg geplant sind.  

In der Summe wäre das laut Missal genug regional erzeugter Strom, um eine Stadt wie Kirchheimbolanden autark zu versorgen – und nicht nur rechnerisch. Wie Missal darlegt, ist das Stromnetz der Stadt ausgelegt auf 15 Megawatt Leistung. Etwa 45 Megawatt würden in der Summe benötigt, um genug Strom für den Bedarf der Stadt und die Aufrechterhaltung der Grundlast durch die Gasgewinnung zur Verfügung zu haben. Das zur Methanisierung nötige Kohlendioxid werde zunächst aus Flaschen zugeführt. Mit dem Betrieb eines solchen Systems regionaler Stromversorgung sollen Untersuchungen zur Energieeffizienz einhergehen, die der Optimierung vorhandener Netze dienen.


Für diese Modellanlage arbeite die ERP mit mehreren Partnern zusammen, die für einzelne Aspekte die erforderliche Kompetenz einbringen. Missal nennt neben der Stadt das Karlsruher Institut für Technologie, die Transferstelle für rationelle und regenerative Energieerzeugung Bingen, die Viessmann-Gruppe als Heizungs-Spezialist und den Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches. Kosten soll die Modellanlage für eine erste dreijährige Phase etwa fünf Millionen Euro. Gebaut werden könne sie 2014.
 

Die ERP denkt freilich über die Pilotphase hinaus.  

Die Energiewende, so Missal, sei kein kurzfristig umsetzbarer Prozess, sie werde zehn, 15 Jahre in Anspruch nehmen.


Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Donnersberger Rundschau
Ausgabe: Nr. 80
Datum: Samstag, den 06. April 2013
Seite: Nr.15
"Deep-Link"-Referenznummer: '91_9975415'
Präsentiert durch DIE RHEINPFALZ Web:digiPaper

 

 

Anmerkungen Progoellheims:  

* aus Wind- und/oder Solarenergie

** diese Technologie - "Power to gas" - ist bereits hinlänglich bekannt,

sie ist eine sinnvolle Alternative ganz im Gegensatz zum flächenversiegelnden Energiepflanzenanbau für ineffiziente und negativbehaftete NawaRo-"Bio"gasanlagen, vgl. ebenso: proWindgas von Greenpeace Energie