Presse im Kreis

Presse im Kreis vom 06.05.2011:

„Biogasanlage hat zu viele Nachteile”

INTERVIEW: Lautersheims Bürgermeister Mattern/LAUTERSHEIM.

Der Widerstand gegen die geplante Biogasanlage zwischen Göllheim und Lautersheim wächst. Der Lautersheimer Gemeinderat will Einspruch dagegen einlegen (wir berichteten). Eine Gruppe Lautersheimer Bürger um Bürgermeister Thomas Mattern, die das Projekt stoppen wollen, organisiert am Freitag eine Informationsveranstaltung mit Experten zu dem Thema. Die RHEINPFALZ hat mit Mattern gesprochenII

In Göllheim gab es erst vor wenigen Wochen eine Informationsveranstaltung zur Biogasanlage. Warum veranstalten Sie nun eine weitere in Lautersheim?

 

Nach Auffassung vieler Besucher wurden bei der Veranstaltung in Göllheim die Vor- und Nachteile sowie die Chancen und Risiken nicht ausgewogen vermittelt. Außerdem wurde aus zeitlichen Gründen die Diskussion abgebrochen.

 

Welche Experten haben Sie eingeladen? 

 

Wir haben eine Expertin vom Institut für Zukunfts-Energie-Systeme aus Saarbrücken eingeladen. Da das Thema Biogasanlagen im Kontext der erneuerbaren Energien immer stärker in den Fokus rückt, beschäftigen sich zahlreiche Institute mit dieser Problematik. Auch Vertreter der Firma Juwi, die über eine Tochterfirma die Anlage betreiben möchte, werden eingeladen.

 

Warum ist der Lautersheimer Gemeinderat gegen die Anlage?

 

Biogas muss man differenziert betrachten. Wenn beispielsweise Gülle aus Tierhaltung ortsnah zu Biogas vergoren wird, bedarf es dafür keiner wertvollen Ackerflächen, es fallen kaum zusätzliche Transporte an und die Gülle, die nach dem Gärprozess auf den Feldern verteilt wird, beinhaltet sogar weniger klimaschädliches Methan als unvergorene Gülle. Leider wird derzeit nur ein Bruchteil der Gülle energetisch genutzt. In Göllheim soll jedoch fast ausschließlich Getreide - überwiegend Mais - vergoren werden. Das bedeutet jedes Jahr mehr als 600 Hektar Flächenbedarf an Ackerboden, Jahr für Jahr Transport von rund 75.000 Tonnen Material und zusätzliche Emission von Treibhausgasen. Das ist nicht nachhaltig. Steigende Pachten für Ackerland sind zu erwarten, das wird auch Landwirte belasten, die sich nicht bei dieser Anlage beteiligen möchten. Unserer Meinung nach sind das zu viele Nachteile für den geringen Energiebeitrag, den die Anlage liefern soll.

 

Welche Nachteile entstehen Ihrer Meinung nach konkret für die Bürger?

 

Die Bürgerinnen und Bürger von Lautersheim befürchten eine Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität. Gestank durch die ausgebrachten Gärreste und zusätzlicher Schwerlast-Verkehr, wer möchte das schon? Der deutliche Anstieg des Maisanbaus kann zu einem Anstieg der Wildschweinpopulation führen, eine Bedrohung für Spaziergänger auf Feldwegen. Zunehmende Berichte über Erkrankungen von Tieren und Menschen im Zusammenhang mit Biogasanlagen beunruhigen ebenfalls.

 

Ist Biogas keine vernünftige Alternative zur Atomkraft? 

 

Mit weniger als zehn Prozent der beanspruchten Fläche ließe sich deutlich mehr Energie durch Fotovoltaik erzeugen. Noch krasser ist der Vergleich mit dem bedeutendsten regenerativen Energielieferanten, der Windkraft. Schon zwei moderne Windräder reichen aus, um die geplanten 29 Millionen Kilowattstunden ohne diese negativen Begleitumstände zu erzeugen.  

Auf die Frage „Woher kommt die Energie bei Dunkelheit und Flaute?” liefert Juwi gerade eine vielversprechende Antwort. In einer Pilotanlage in Morbach wird Strom mittels Elektrolyse in Wasserstoff und anschließend in Methan umgewandelt. Bis 2014 soll dieses Verfahren marktreif sein, das ist drei Jahre vor dem wahrscheinlichen Ende des Atomstroms 2017.

 

Welche Möglichkeiten hat Lautersheim, die Anlage noch zu verhindern?

 

Die Ortsgemeinden Lautersheim, Biedesheim und Rüssingen haben die detaillierten Planungsunterlagen für die Anlage erhalten. Bis 16. Mai kann die Gemeinde eine Stellungnahme abgeben. Die Bevölkerung kann bis 3. Juni die Planungsunterlagen in Göllheim einsehen. Wenn sich viele Menschen, überzeugt von Argumenten, gegen diese geplante Form der Biogasanlage aussprechen, wird das sicher auch von Investoren und Entscheidungsträgern in Göllheim wahrgenommen. (zin)  

StellungnahmeInfoInformationsveranstaltung zur geplanten Biogasanlage heute, 19 Uhr, in der Gemeindehalle Lautersheim.

 

Quelle:Verlag: DIE RHEINPFALZPublikation: Donnersberger RundschauAusgabe: Nr.105Datum: Freitag, den 06. Mai 2011Seite: Nr.14"Deep-Link"-Referenznummer: '7641431'Präsentiert durch DIE RHEINPFALZ Web:digiPaper