Was haben Sie gegen Biogas?

 

Presse im Kreis vom 04.05.2011: 

Die RHEINPFALZ spricht mit den Pro-Göllheim-Initiatoren Daniel Koch und Wolfgang Waltgenbach

 

Gegenwind bekommen derzeit die Planer der Biogasanlage in Göllheim. Die Gemeinde Lautersheim hat schon die Rote Karte gezeigt, und die Gruppe „Pro Göllheim”, erstmals im Kampf gegen das geplante Krematorium an die Öffentlichkeit getreten, ist auch wieder sehr aktiv.

 

Unsere Redakteurin Anja Hartmetz wollte von Daniel Koch und Wolfgang Waltgenbach, den Köpfen hinter „Pro Göllheim”, die Gründe für die heftige Opposition wissen.

 

Wer oder was ist Pro Göllheim?

Koch: Wir haben uns als Bürgerinitiative gegründet, als der Krematoriumsbau konkret wurde. Wir verstehen uns als kleinen Kreis von Bürgerinnen und Bürgern, die parteiunabhängig Projekte zu Göllheim kritisch hinterfragen und dazu Stellung beziehen. Unser Anliegen ist es, die Kommunalpolitik transparenter zu machen und mehr Bürgernähe herzustellen.

 

Wie viele Mitglieder hat Pro Göllheim? 

Koch: Es gibt keine Mitgliedschaften, wir sind ja kein Verein.

Waltgenbach: Wir erfahren jedoch Zuspruch von Menschen, die sich näher mit der Thematik beschäftigen.

 

Haben Sie denn schon ein geeignetes Medium?

Koch: Nein, leider noch nicht. Aber unsere Internetpräsenz startet demnächst auf www.progoellheim.eu .

 

Wie ist bisher in Göllheim selbst die Resonzanz auf Pro Göllheim? 

Koch: Die jüngste Infoveranstaltung zum Thema Biogasanlage war gut besucht, wir denken, das liegt auch daran, dass wir mit einer Flugblattaktion im Vorfeld für das Thema sensibilisiert haben. Weiterhin darf nicht unerwähnt bleiben, dass der Gemeinderat Lautersheim seinen Einspruch gegen diese Anlage einstimmig angekündigt hat.

 

Warum sind Sie denn so vehement gegen Biogas? 

Koch: Wenn man sich eingehender mit dieser Thematik befasst, kann man erkennen, dass diese Technologie nichts mit regenerativer Weitsicht zu tun hat. Die Anlage, so wie sie in Göllheim geplant ist, muss man ökologisch und ökonomisch in Frage stellen. Ich verweise an dieser Stelle auf Stellungnahmen von Greenpeace und WWF.

 

Sind Sie grundsätzlich gegen Biogasanlagen, oder nur bezogen auf Göllheim? 

Waltgenbach: Wir sind nicht grundsätzlich gegen Biogasanlagen, jedoch sollten sie ökologisch nachhaltig und ökonomisch für den Bürger sinnvoll sein. Die ursprünglich als kleinzellig konzipierten und mit sekundärer Biomasse beschickten Privatanlagen von Bauern sind aus unserer Sicht absolut zu befürworten. Anders verhält es sich jedoch mit Großanlagen mit ihren Problemfeldern wie den Verbrauch von landwirtschaftlicher Nutzfläche, Verkehrsbelastung, Bodenerosion, Geruchs- und Geräuschemission, Veränderung des Landschaftsbildes.

Koch: Ursprünglich waren Biogasanlagen einmal gedacht für die Beschickung mit sekundärer Biomasse, also organischen Abfällen, Lebensmittelresten, Grünschnitt, Schwachholz, also Stoffen, deren Produktleben dem Ende zugeht, und nicht wie im Fall Göllheim überwiegend mit Ganzpflanzensilage und Energiemais.

Waltgenbach: Hier wird primäre Biomasse bewusst erzeugt. Laut unseren Informationen sollen in Göllheim allein 60 bis 70 Prozent Maissilage und Grünpflanzensilage verwendet werden. Aus Sicht der Investoren verständlich, da durch Mais der größte Hektarertrag und die größte Energieausbeute erzielt wird. Das ist jedoch sehr problematisch in Hinblick auf Flächenverbrauch, Bodenerosion und Überdüngung.

 

Gäbe es denn Alternativen? 

Koch: Ja, aber leider wurde darauf in den vergangenen Jahren zu wenig der Fokus gerichtet. Stichwort zum Beispiel Wasserstofferzeugung mit Windkraft.

 

Ist Biogas denn wirklich so schlimm? Die Alternative wäre zum Beispiel Atomstrom...

Waltgenbach: Es gibt aus unserer Sicht eine Menge förderungswürdiger Alternativen, zum Beispiel verstärkte Förderung kleinerer Biogasanlagen, die mit sekundärer Biomasse betrieben werden, Erdwärmenutzung aus Ackerflächen, Effizienzsteigerung bestehender Windkraftanlagen, intelligente Stromnetze, die die Energie dynamisch speichern und verteilen, effizienter Eigenenergieverbrauch und so weiter.Koch: Selbstverständlich lehnen wir Atomkraft ab und sprechen uns für regenerative Energiegewinnung aus - aber dies mit Weitsicht. Eine Zwei-Megawatt-Biogasanlage benötigt rund 1000 Hektar landwirtschaftliche Fläche. Eine Zwei-Megawatt-Windkraftanlage aber nur 0,2 Hektar!

 

Aber vor dem Hintergrund des Atomausstiegs - ist Biogas nicht immer noch besser als andere Formen der Energiegewinnung, Kohlekraftwerke zum Beispiel? 

Waltgenbach: Das löst das Problem nicht! Biogasanlagen haben bei einem Flächenverbrauch von zirka 800.000 Hektar einen Anteil von 4,8 Prozent an der gesamten Stromerzeugung. Die Nachhaltigkeit von Methangasanlagen muss dadurch gegeben sein, dass sie nicht mit eigens angebauten Energiepflanzen beschickt werden. Sonst steht die Ackerfläche trotz Fruchtfolge in direkter Konkurrenz zur Nahrungsmittelerzeugung.

Koch: Herr Willenbacher, einer der Geschäftsführer der Firma Juwi, die die Biogasanlage in Göllheim betreiben will, äußert sich dahingehend, dass Deutschland innerhalb weniger Jahre den gesamten Energiebedarf mit regenerativen Energien decken könnte. Hierbei ist lediglich von Windkraft und Solarstrom die Rede.  

 

Fred Jung, ein weiterer Geschäftsführer von Juwi, spricht auf der Firmenhomepage aber explizit von „Wind-, Solar- und Bioenergie”. Und er ermutigt Landwirte, nachwachsende Rohstoffe für Biogasanlagen anzubauen. 

Koch: Ich habe mich ja auch auf Herrn Willenbacher und nicht Herrn Jung bezogen.

 

Bleiben wir mal bei der Landwirtschaft - die Bauern freuen sich über die Anlage, weil sie so einen garantierten Abnehmer und Planungssicherheit haben. 

Waltgenbach: Diese Planungssicherheit ist relativ, da die Bauern sich auf zehn Jahre verpflichten, zu einem gleichbleibenden Abnahmepreis zu liefern. Die Produktionskosten werden jedoch mit Sicherheit steigen - so risikolos erscheint uns dies nun auch wieder nicht zu sein.  

 

Sie kritisieren auch das Verkehrskonzept in Göllheim.

Koch: Das Verkehrskonzept ist undurchsichtig und wirkt unfertig. Beispielsweise werden die Produktionsflächen nicht explizit ausgewisen, ebenso werden nirgendwo die Leerfahrten oder die Gärrest-Abtransporte aufgeführt - ein nicht zu unterschätzender Faktor in Bezug auf die Verkehrsbelastung!  

 

In Ihrem Flugblatt „Keine Biogasanlage in Göllheim” haben Sie etliche Stellen wörtlich von einem Flugblatt der Grünen in Wanlo übernommen - obwohl es da um eine andere Anlage geht. Finden Sie das in Ordnung? 

Koch: Die Problematik der Biogasanlage in Göllheim ist grundsätzlich keine andere, dieses rechtfertigt die teilweise Übernahme von Argumenten, wo es Sinn macht, durchaus. Im Übrigen bedienen wir uns vieler Informationsquellen und sehen dieses auch nicht als illegitim an.In Göllheim sind die Grünen aber für die Anlage.Koch: Wir sind zum einen unpolitisch, zum anderen interessiert uns durchaus, was ortsfremde Grünenpolitiker zu diesem Projekt sagen. Deshalb haben wir Stellungnahmen der Grünen in Kaiserslautern und Kusel angefragt. 

 (ajh)  

 

Quelle:Verlag: DIE RHEINPFALZPublikation: Donnersberger RundschauAusgabe: Nr.103

Datum: Mittwoch, den 04. Mai 2011Seite: Nr.14 "Deep-Link"-Referenznummer: '7587532'Präsentiert durch DIE RHEINPFALZ Web:digiPaper