Thomas Mattern (SPD) zum politischen ’Willen’ von NawaRo-Methangasanlagen, zur regionalen „Wertschöpfung“ und zu den jüngsten Plänen der Juwi ’bio’ GmbH ... 

 

Berlin:  „…Aus den Koalitionsverhandlungen zwischen CDU/CSU und SPD meldet die SPD zum Thema Energiepolitik am Freitag (08.11.2013) folgendes:

’... Damit der Strom bezahlbar bleibt, soll die Überförderung in einigen Bereichen der Erneuerbaren Energien abgebaut werden. Biomasse-Anlagen sollen nur noch bei Einsatz von Abfall- und Reststoffen neu gebaut werden (vgl. unsere Argumentation vor zwei Jahren!), damit der bislang dafür angebaute Mais nicht die gesamte übrige Lebensmittelproduktion weiter unter Druck setzt.’ *

Die Vernunft setzt sich langsam aber sicher auf diesem Gebiet durch …“
 

(vgl.: Einschätzungen Dr. Murphy-Bokerns zur Göllheimer Methangasanlage) 

 

„Heute (09.11.2013)  hat die Rheinpfalz über die Erteilung der Bau- und Betriebsgenehmigung (BImSchG) für die geplangte Agromethangasanlage Göllheim berichtet.  

Ich wurde gestern von der Redaktion in Grünstadt angerufen und dazu befragt.  Ich habe bisher weder eine Info von der Kreisverwaltung, noch habe ich auf der Homepage von Juwi die besagte Presseinformation gefunden.

...Vielleicht handelt es sich hierbei um eine exklusive Vorhab-Information für die Rheinpfalz?

Dass die Kreisverwaltung die Bau- und Betriebsgenehmigung erteilt hat, ist für uns keine Überraschung. Ein Baubeginn der projektierten NawaRo-Methangasanlage sollte jedoch nach gesundem juristischen Menschenverstand erst nach Beendigung des Normenkontrollverfahrens möglich sein (diese ist beim OVG Koblenz eingereicht).
 

Ich bin optimistisch, dass die Kreisverwaltung dies auch so beurteilt.

Näheres zur Bau- und Betriebsgenehmigung kann ich erst sagen, wenn uns die Unterlagen vorliegen.

In der Pressemitteilung von Juwi heißt es, dass man jetzt die Zusammensetzung der Substrate (NawaRo) plane, mit der die Anlage gefüttert werden soll. Dabei werden wieder einmal Produkte (Blühpflanzen und Energiegras) genannt, von denen bisher nie die Rede war.“ **

 

- Zur regionalen Wertschöpfung – „Wie mir mehrere Landwirte bestätigt haben, lagen, wie bereits in den vergangenen Jahren, auch für die Ernte 2013 die Verkaufspreise für die Verarbeitung zu Lebens- bzw. Futtermitteln deutlich über den Vergütungen, die für die energetische Verwertung in Agromethangasanlagen gezahlt werden. Landwirte, die bei diesen Preisverhältnissen ihre Erzeugnisse der Vergärung zuführen, verschenken Geld!  

Aus diesem Grund ist es nicht verwunderlich, dass die intensiven Bemühungen um Substrate von Landwirten aus der näheren Umgebung nicht von Erfolg gekrönt sind.  

 

Vielleicht hat sich auch herumgesprochen, dass Juwi vor einiger Zeit kontraktierten Mais, der eigentlich für die Göllheimer Anlage vorgesehen war, zu höheren Preisen auf dem Markt weiter verkauft hat. Das hat die Landwirte, die ihre Kontrakte erfüllt haben, um es freundlich auszudrücken, nicht gerade erfreut.

Der Radius, in dem Landwirte angeschrieben werden, weitet sich immer weiter aus***

 

Einige Leser des Rheinpfalz-Berichtes über die VG-Ratsitzung (07.11.2013) haben leider den Eindruck gewonnen, dass ich aufgrundmeiner Abstimmungen gegen den Windpark im Göllheimer Wald und gegen die PV-Anlageauf der Hohen Benn nun prinzipiell ein Gegner von Windkraft und Photovoltaik  sei. Diesem Eindruck möchte ich entschieden entgegenwirken.

Die Windkraft ist eine der wichtigsten Säulen der Energiewende. Sie liefert mit Abstand den größten Anteil des erneuerbarem Stroms und ist derzeit auch die effizienteste Form der in unserer VG möglichenregenerativen Energieerzeugung. Absolut vorbildlich ist die Umsetzung der Windkraftprojekte "Kahlenberg", "Energiepark Albisheim" und Rüssingen/Marnheim. Dort bündeln benachbarte Ortsgemeinden, zum Teil ausverschiedenen Verbandsgemeinden, Windräder zu kleinen Windparks. Dadurch werden wirtschaftliche Synergien genutzt und die oft zitierte " Verspargelung der Landschaft" wird ebenfalls reduziert.

Neben der Wirtschaftlichkeit werden auch die negativen Umweltauswirkungen sehr stark vom Standort eines Windrades bestimmt. Im Waldmüssen für den Aufbau eines Windrades zahlreiche Bäume gefällt werden, auf offenem Feld ist dies nicht erforderlich. In den meisten Waldgebieten lebenauch deutlich mehr Tiere als auf intensiv bewirtschafteten Agrarflächen. Deshalb sind Windräder im Wald in den meisten Fällen eine größere Belastung für Flora und Fauna als Standorte auf offenem Ackergelände. Die Umweltschutzorganisation Pollichia hat den geplanten Standort für den Windpark Göllheimer Wald bewertet und ein erhebliches Konfliktpotenzial für dort lebendeTiere, vor allem Fledermäuse identifiziert.
 

Wir haben in unserer VG, auch auf Göllheimer Gemarkung, mehrere für die Windkraft gut geeignete Standorte außerhalb des Waldes. Wir können die Produktion von Windstrom um ein vielfaches steigern, ohne dafür einen einzigen Baum fällen zu müssen. Aus diesem Grund habe ich gegen den Windpark im Göllheimer Wald gestimmt. Allen anderen Windkraftprojekten in der VG Göllheim habe ich vorbehaltlos zugestimmt.

Auch für die Photovoltaik hege ich prinzipiell große Sympathien, ich betreibe mit Begeisterung eine eigene Anlage auf dem Dach unseres Hauses. Gebäudedächer sind meiner Meinung nach die besten Standorte für PV-Anlagen. Wenn diese Anlagen dann noch den größtmöglichen Anteil des eigenen Strombedarfes der Hausbewohner decken, reduziert das die EEG-Umlagekosten für die Allgemeinheit.  Es gibt noch eine Vielzahl bestens geeigneter Dachflächen, um die Stromproduktion aus Photovoltaik deutlich zu steigern. Freiflächen-PV-Anlagen können in Außnahmen ebenfalls sinnvoll sein, z.B. auf Mülldeponien oder ehemaligen Landebahnen. Wiesen und Ackerflächen sollten jedoch nicht mit Solarmodulen eingedeckt werden, auch wenn dabei der erzeugte Energieertrag je qm deutlich höher ist als beim Anbau von Energiepflanzen, die zu Biogas vergoren werden.  Diese Flächen sollten als Biotop dienen, bzw. der Lebensmittelerzeugung vorbehalten sein. Im Gebiet "Hohe Benn" wird derzeit noch Kalkstein abgebaut.
 

Nach Beendigung der Rohstoffgewinnung sollte dort ursprünglich eine Renaturierung stattfinden zur Schaffung von Biotopflächen, bzw. einem Gebiet für extensive Landwirtschaft. Der neue Flächennutzungsplan sieht für dieses Gebiet eine Freiflächen-PV- Anlage vor. Auch diesbezüglich teile ich die Auffassung der Pollichia, die der Schaffung von Lebensraum für Flora und Fauna an diesem Ort einen größeren Wert beimisst. Da durch Neubaugebiete und intensive Landwirtschaft immer mehr Lebensraumverloren geht, müssen solche Refugien an diesem Standort Vorrang haben. Deshalb habe ich gegen die Freiflächen-PV Anlage auf der Hohen Benn gestimmt.

 

                Thomas Mattern (SPD, Bürgermeister der Ortsgemeinde Lautersheim

 

 

* Das wäre das endgültige 'Aus' für die projektierte Göllheimer Methangasanlage, welche ausschließlich mit NawaRo, speziell angebauten Rohstoffen - betrieben werden soll.  

 

** Das ständige Ändern der Substratzusammensetzung durch Vertreter der Firma Juwi ist seit Planungsbeginn Usus

 

*** Die ’Wirtschaftlichkeit’ der Anlage, welche kurze Transportwege für die Anlieferung der Substrate vorraussetzte, ist somit gescheitert! 

(anfänglich geplanter Anlieferungsradius der Substrate/NawaRos von 5 km – jetzt 15 Kilometer u. mehr…)