Verkehrskonzept überzeugt Bürger nicht

 

Hütschenhausen:Bei der Informationsveranstaltung zur Biogasanlage im IZW wird weiterhin Kritik an dem Vorhaben laut


Von Doris Theato


Die Kritik an der 1,5-Megawatt-Biogasanlage verstummt auch nach dem Beginn der Bauarbeiten im Ramsteiner Industriezentrum Westrich (IZW) nicht. Dies wurde bei der Informationsveranstaltung am Montagabend in Hütschenhausen deutlich.


Rund 200 Bürger sowie Vertreter von Parteien, Naturschutzverbänden, Forst und vom Dienstleistungszentrum ländlicher Raum füllten das Bürgerhaus. Hütschenhausens Ortsbürgermeister Hajo Becker (SPD), die Wörrstadter Betreiberfirma Juwi, der neue grüne Umweltstaatssekretär Thomas Griese aus Mainz und der Bauernverbandskreisvorsitzende Günter Albrecht standen Rede und Antwort. Richtig zufrieden ging am Ende der stundenlangen Diskussion allerdings niemand nach Hause.


Vor allem das von Becker vorgelegte Verkehrskonzept rief großen Unmut hervor. Viele zweifelten an der Umsetzung. Durch Hütschenhausen und über Feldwege, teilweise durch Naturschutzgebiete und mitten durch den Wald - was der Forstverwaltung als Eigentümerin offensichtlich bislang nicht bekannt war -, soll die Biomasse in die Ramsteiner Biogasanlage rollen.


Umzu vermeiden, dass sich die schweren Traktoren mit ihren 18-Tonnen-Hängern auf den drei Meter schmalen Wegen begegnen, sei ein Funksignal unter den Fahrern vorgesehen, gab Becker eine der freiwilligen Vereinbarungen mit „Ernte-Plus” wieder. Die Lambsborner Firma gilt als Generalunternehmer für Juwi und soll die benötigten 32.000 Tonnen an nachwachsenden Rohstoffen sowie weitere 5000 Tonnen Gülle vertraglich von den Bauern übernehmen und nach Ramstein transportieren.


Lautes Lachen im Saal bewies: An funkende Traktorfahrer glaubt hier niemand. Und genauso wenig an den zehn Kilometer weiten Radius, aus dem die benötigte Biomasse angeblich herangeschafft werden soll. Sollte Material einmal aus bis zu 25 Kilometer Entfernung angeliefert werden, dann handele es sich dabei um eine Ausnahme, sagte Hans Schmidt, Vertriebsleiter bei Juwi.


Schmidt stellte in seiner einstündigen Einführung klar, dass es sich in Ramstein um ein Biogaseinspeiseprojekt handelt. Das erzeugte Biogas werde aufbereitet und ins Gasnetz eingespeist. Durch die unterschiedlichen Substrate wie Mais, Gras und Ganzpflanzensilage entzerre sich der Ernteverkehr. Außerdem werde kein zusätzlicher Verkehr erzeugt, da bislang ja auch auf den Feldern die Ernte abgefahren worden sei.


In diesem Punkt fand er die Zustimmung des Bauernvorsitzenden. Albrechts prach allerdings das Problem der Flächenknappheit an. In der Region seien derzeit schon einige kleinere Biogasanlagen in Betrieb.


InRamstein werde nun eine große gebaut, zugleich sei in Lambsborn eine weitere beantragt. Für Anlagen dieser Dimension habe die Westpfalzeinfach nicht genug Land, sagte Albrecht. Die immer wieder angeprangerte Maismonokultur wollte Albrecht hingegen nicht gelten lassen und verwies auf die Anbauzahlen: Im Vergleich zu 1979, als1400 Hektar Mais im Kreis angebaut wurden, sei die Anbaufläche auf 639 Hektar im Jahr 2009 gesunken. Die von Juwi angegebenen 700 Hektar, die benötigt würden, um „Futter” für die Biogasanlagezu erzeugen, bezeichnete Albrecht dagegen als eindeutig zu gering. Er geht standortbedingt von einem Flächenanspruch von bis zu 1000Hektar aus.


In der Diskussion stand neben dem befürchteten Verkehrsdruck auch ein nicht hinnehmbarer Anstieg der Pachtpreise im Vordergrund. Ein großes Unbehagen gegenüber der Umwandlung von Lebensmittel in Energie wurde genauso laut wie Zweifel an der von Seiten des Betreibers geäußerten positiven Ökobilanz der Biogasanlage. Der grüne Umweltstaatssekretär Griese verstand es rhetorisch geschickt, das Podium für politische Seitenhiebe Richtung Berlin zu nutzen. Das Erneuerbare Energien Gesetz, auch Energie-Einspeise-Gesetz (EEG) genannt, müsse zukünftig festschreiben, dass kleine Biogasanlagen besser gestellt werden. Die Bundesregierung fördere jedoch verstärkt die großen Anlagen, so Griese. Auch müsse geregelt werden, dass vorrangig Bioabfall zu verwerten sei, forderte er.

 

Quelle: Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Pfälzische Volkszeitung, Ausgabe:Nr.148
Datum: Mittwoch, den 29. Juni 2011, Seite:Nr.19
"Deep-Link"-Referenznummer: '7858189'
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